Die vorläufige Vermutung, die diese Spurensuche trägt, lautet:
Das heutzutage oftmals leere Gerede über Kreativität findet durch die Rückbindung auf den Witzbegriff und auf analogische Denkformen im Allgemeinen eine unverzichtbare Bereicherung. Der Witz liefert eine Beschreibungssprache für ein Konzept von Kreativität und diese hilft den gegenwärtigen Missstand zu überwinden, dass zwar von allen Seite Kreativität gefordert wird, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, eigentlich aber keiner so recht weiß, was damit gemeint sein soll.
Die Hoffnungslosigkeit dieser Begriffseinfalt auf die Spitze getrieben, wird dann bei so unsinnigen Konzepten wie der “creatio ex nihilo” (also der Vorstellung eines absolut voraussetzungslosen Schaffens aus Nichts) Zuflucht gesucht oder aber man findet sein Heil in psychologischen Modellen, wobei die verschiedenen hoch differenzierten Stufen- und Phasenmodelle den schalen Beigeschmack hinterlassen, dass der eigentlich kreative Akt aus dem Blickfeld gerät und zu einem bloßen Hiatus wird. Der Höhepunkt der Selbsttäuschung über Kreativität findet sich jedoch bei den Marktschreiern, die Kreativität einer instrumentellen Vernunft unterstellen und sie mittels so genannter Kreativitätstechniken zum Zwecke der Profitsteigerung verkaufen wollen.
Letztlich bleibt als Anspruch an diese Spurensuche festzuhalten: Es ist von einem starken Kreativitätskonzept mehr zu erwarten als bloß von schicken Neologismen, wie dem lateralen, divergenten oder nicht-linearen Denken zu reden.
Die Auseinandersetzung mit dem Witzbegriff sollte dies leisten.
