Ohne an dieser Stelle eine tiefgehende sprachwissenschaftliche Etymologie leisten zu wollen, geht der Begriff „Witz“ auf die indogermanische Sprachwurzel *uied- (vid) zurück. Interessanterweise haben sich aus derselben Sprachwurzel auch die Worte „wissen“ und „weise“ gebildet.(1) Genealogisch liegt die Gemeinsamkeit der Sprachwurzel in der optischen Sphäre des Sehens gegründet.(2) Sowohl eine Beziehung zur Kognition als auch zur Wahrnehmung ist demnach bereits in der Wortherkunft zu entdecken.(3) Außerdem bleibt festzuhalten, dass „Witz“ ursprünglich überhaupt keinen scherzhaften Sinn trug. So stand dann auch in der weiteren Sprachentwicklung „Witz“ im Althochdeutschen als „uuizzi“ oder „wizzi“ für das sowohl angeborene als auch erworbene Wissen und teilweise sogar für die Weisheit schlechthin. Diese Bedeutung blieb im mittelhochdeutschen Begriff „witze“ erhalten und verengte sich überdies auf Verstand, Klugheit und Einsicht. Besonders anschaulich wird die semantische Nähe zwischen Witz und Verstand in einigen negativen Formulierungen. So war der Narr „witze bar“ und die Bezeichnung für „den Verstand verlieren“ hieß „von (ûz) den witzen kommen“.(4) Die Beziehung des Witzes zu kognitiven Prozessen und zur Wahrnehmung ist also auf diesem eingeschlagenen etymologischen Pfad offenkundig und gemäß dem heutigen Verständnis scheint sie zumindest in einigen Bedeutungen erhalten geblieben zu sein, denn solche sprachlichen Gebrauchsweisen, wie die Rede vom „Mutterwitz“ oder die Aussage, „dass diese Person aber gewitzt sei“, künden nach wie vor von der Nähe des Witzes zum Verstand und zur Klugheit.
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