Über die Pflege einer Grille

Wieso der Witz? Das Thema ist eine Grille, die sich seit Jahren in meinem Denkhaushalt eingerichtet hat und die ich seitdem mit viel Aufwand zu pflegen versuche.  Höhepunkt des Versuchs diese Grille zu kultivieren, war zugleich der Gipfel des Scheiterns, der Grille mit den geordneten Strukturen einer wissenschaftlichen Abhandlung habhaft zu werden. Zudem gab mir ein großer Magister des Witzes zu verstehen, dass die Grillengattung mit meiner Grillenart gänzlich inkommensurabel sei – ich solle doch noch einmal meine affirmative Haltung gegenüber dieser Art überdenken, waren seine scharfen Worte.

So stand ich schließlich mit der tschirpenden Grille allein da, kein großer Wurf einer Klaviatur oder Notation, vielmehr blieb nur die Grille, die mal in die eine Ecke hüpfte und tschirpte und mal in eine andere Ecke und so schien es, gänzlich anders tschirpte. Meine Einschätzung blieb ein fragmentarisches Patchwork, die Lauffäden schienen rhizomatisch und die Sprünge der Grille ließen mich mit Diskontinuitäten zurück. Und weil mir immer mehr schien, dass diese Grille es liebt, den Jahrhunderte Jahre alten Begriff „Witz“ im postmodernem Gewand zu kleiden, entstand die Idee, ihr mit diesem Blog endlich ihren Freiraum zu gewähren. Denn in der Tat schafft ein Blog Raum für Diskontinuitäten, Sprünge und Fragmente – Bloggen ist selbst ein auf die Kontinuität angelegtes Schreiben, das allerdings erst im Bruch seine Kontinuität erfährt. In diesem Sinne ist auch dieses Medium eine Botschaft.

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